Mitteilung

Suche nach Tsunami-Hinweisen am Himmel über dem Paranal mit OASIS

30. April 2024

Im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der ESO ist das Projekt Observations of Airglow with Spectrometer and Imager Systems (OASIS) offiziell Teil des Paranal-Observatoriums der ESO geworden. Das Paranal-Observatorium ist vor allem dafür bekannt, dass es weltweit führende astronomische Observatorien wie das Very Large Telescope der ESO beherbergt, ist aber auch ideal für bestimmte Atmosphärenbeobachtungen geeignet. OASIS, das vom DLR betrieben und von der ESO betreut wird, soll zeigen, dass die Überwachung des sogenannten Airglow in unserer Atmosphäre das Potential hat, eine Frühwarnung für Tsunamis zu liefern.

Tsunamis, riesige Wellen, die meist durch Erdbeben unter dem Meer verursacht werden, sind eine zerstörerische Naturgewalt, die zu erheblichen Verlusten an Menschenleben und Schäden an der Infrastruktur führen kann. OASIS will zeigen, dass es möglich ist, einige der Auswirkungen dieser Gefahren durch die Überwachung unserer Atmosphäre einzudämmen. Erdbeben erzeugen Schallwellen, die sich in der Atmosphäre nach oben bewegen. Diese Störungen beeinflussen den sogenannten Airglow oder Nachthimmelsleuchten - die natürliche Emission von Molekülen hoch oben in der Atmosphäre. OASIS wird diesen Airglow überwachen, insbesondere die Emission von Hydroxylmolekülen in einer Höhe von etwa 86 km, die schließlich zur Tsunami-Frühwarnung genutzt werden könnte.

Der Paranal ist aufgrund seiner besonderen Umwelt- und Klimabedingungen für die Beobachtung der Atmosphäre besonders geeignet. Die chilenische Atacama-Wüste, in der der Paranal liegt, zeichnet sich durch ein besonders trockenes Klima aus, das für astronomische und atmosphärische Beobachtungen ideal ist. Chile liegt außerdem in der Nähe von zwei tektonischen Plattengrenzen, die häufig starke Erdbeben hervorrufen, von denen einige Tsunamis auslösen.

Als Nebeneffekt der Beobachtung des Airglow kann OASIS auch seinen Nachbarteleskopen nützen. Airglow erscheint als schwaches Glimmen, das verhindert, dass der Nachthimmel völlig dunkel ist, was die Beobachtungen von bodengebundenen Teleskopen beeinträchtigen kann. Es gibt zwar Methoden, um dieses Phänomen zu erklären, aber es ist komplex und verändert sich ständig. Die von OASIS regelmäßig gesammelten Daten zur Beobachtung des Airglow könnten zur Vorhersage der Helligkeit des Airglow in der betreffenden Nacht genutzt werden, was der ESO helfen könnte, den Airglow bei astronomischen Beobachtungen besser berücksichtigen und die Nutzung der Teleskope optimieren zu können.

Die Einweihung von OASIS fand Ende letzter Woche statt, mehr als ein Jahr nachdem die ersten Testbeobachtungen mit den OASIS-Instrumenten gemacht wurden. Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung trafen sich Mitarbeiter von DLR und ESO am Paranal zu allgemeinen Präsentationen über das Projekt, gefolgt von einer Gesprächsrunde über Kooperationsmöglichkeiten.

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Kontaktinformationen

Alain Smette
ESO Staff Astronomer
Paranal, Chile
Tel: +56 2 2463 3113
E-Mail: asmette@eso.org

Patrick Hannawald
DLR German Remote Sensing Data Center, Atmosphäre
Weßling
Tel.: +49 8153 28-3566
E-Mail: Patrick.Hannawald@dlr.de

Bárbara Ferreira
ESO Media Manager
Garching bei München
Tel: +49 89 3200 6670
E-Mail: press@eso.org

 

Über die Mitteilung

ID:ann24006

Bilder

Ansicht des OASIS-Containers am Paranal-Observatorium der ESO
Ansicht des OASIS-Containers am Paranal-Observatorium der ESO
Geräte des OASIS-Projekts am Paranal-Observatorium der ESO
Geräte des OASIS-Projekts am Paranal-Observatorium der ESO
Eine Luftaufnahme des OASIS-Projektcontainers am Paranal-Observatorium der ESO
Eine Luftaufnahme des OASIS-Projektcontainers am Paranal-Observatorium der ESO
Forscher*innen beim Aufbau des OASIS-Projektcontainers am Paranal-Observatorium der ESO
Forscher*innen beim Aufbau des OASIS-Projektcontainers am Paranal-Observatorium der ESO